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Braunschweiger Zeitung

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Online Artikel 01-06-2026

Warum ein Braunlager mit Helge Schneider in die Sauna geht

Braunlage. Im Hotel The Hearts in Braunlage treffen Design und Entspannung aufeinander. Dabei wurde für eine Helge-Schneider-Hommage ein ungewöhnlicher Ort gefunden.

Ihre Zielgruppe haben Meik Lindberg und Ralph Hesse ziemlich klar im Blick: In ihrem The Hearts Hotel in Braunlage treffen sich Menschen, die Wert auf Entspannung in einem modernen Ambiente legen und gerne Nützliches mit Angenehmem verbinden. Und so ist ihr Entspannungsbereich „Alte Hippe“ kein klassisches Spa.

Stillstand passt nicht zum The Hearts. Seit der offiziellen Eröffnung des Boutique-Hotels in Braunlage vor fünf Jahren hat sich das Ensemble immer wieder verändert. Und so lässt es sich Geschäftsführer Meik Lindberg nicht nehmen, schnell auf sein aktuelles Lieblingsprojekt zu kommen. „In dem Gebäude, in dem momentan noch unsere Werkstatt ist, gibt es einen Pool. Den wollen wir 2027 wieder eröffnen. Momentan sieht es noch nach einem sagt er und lehnt sich in seinem Sessel zurück.

Die Sitzmöbel, passend zum Stil des Hauses vintage, stehen in einer langen Reihe vor einer großformatigen Fensterfront. Eine zweite Reihe aus einfachen Liegen zieht sich entlang der rückwärtigen Wand. In den Vormittagsstunden, wenn die Saunen der „Alte Hippe“ noch nicht laufen, sei der zentrale Ruheraum ein
entspannter Arbeitsbereich. Sozusagen ein Co-Working-Space mit guter Aussicht; eine Laptop-Lounge.

Großstädter entdecken Design-Hotel in Braunlage

Die Gäste des Hotels seien üblicherweise zwischen 20 und 45 Jahre alt und kämen aus Städten wie Hamburg, Berlin oder Leipzig in den Harz. Sie hätten ein Gespür für Asthetik und seien bereit, für das besondere Etwas tiefer in die Tasche zu greifen – je nach Saison liegen die Preise für eine Übernachtung für zwei Personen zwischen 90 und 200 Euro. Unabhängig davon, ob sie zur Erholung oder für eine Tagung anreisen.

Bei den Kunden, die extra für eine Auszeit anreisen, gibt es eine kleine Besonderheit: Neben Paaren sind es oft Freundinnen, die sich bewusst eine Pause vom Alltag gönnen.

Die Mischung macht’s, und genau deshalb komme das Haus bei der anvisierten Kundengruppe gut an: Über das Jahr verteilt liege die Auslastung der 66 Zimmer bei 85 Prozent. Die fehlenden 15 seien branchenüblich und für fortlaufende Reinigung und Instandhaltung einfach notwendig, erklärt der Geschäftsführer.

Um die Nachfrage auch in Zukunft decken zu können, seien eigentlich 75 bis 80 Zimmer notwendig. Dafür plant das Team eine Erweiterung: Bis 2028 sollen in einem angrenzenden Waldstück kleine Hütten sowie weitere Entspannungsangebote entstehen. „Es ist hier ohnehin ganz normal, dass jemand im Bademantel von
einem Haus zum nächsten geht.

Sauna-Landschaft wächst dank Eigenbau und Kreativität

In den ersten Jahren des Hotels gab es neben dem Hauptgebäude zwei Fass-Saunen; Umkleiden und Duschen befanden sich in einem angrenzenden Gebäude. „Aber unsere Gäste haben es genossen, sich
nach ihrer Zeit in der Natur richtig aufwärmen zu können. Deshalb haben wir das Sauna-Angebot immer weiter ausgebaut. Erst gab es eine Sauna im Keller, dann wurden daraus zwei. Dazu kamen ein Bereich für Hydromassagen, unser Badeklub – zwei Separees mit großen Badewannen – und die Kneterei, unser Massage-Angebot“, berichtet der frühere IT-Unternehmer.

Eine Besonderheit sei die Waldsauna mit aromatischen Kräutern und echtem Harzer Holz. Eine Sauna, die es so kein zweites Mal gibt: Standardlösungen passten für Lindberg und seine Partnerin Tatiana Westphal, der führenden Designerin des Hauses, nicht zum THE HEARTS.

Nur eine Sache fehlt aktuell noch: ein Eisfass zum Abkühlen. Der Bottich dafür steht zwar schon im Außenbereich, doch die passende Wasserleitung fehlt. Die müsse, wie Lindberg erklärt, gleichzeitig
vor Frost geschützt und doch ausreichend gekühlt sein, um ein wirklich eisiges Erlebnis zu bieten. Viel Spielraum für Temperaturschwankungen gibt es dabei nicht.

In den gedeckten Farben der Wände und Polstermöbel sowie sorgfältig ausgewählten Details ist die gestalterische Handschrift von Westphal erkennbar. Hier steht ein alter Holzschemel als Beistelltisch, dort ein zur Lampe umfunktioniertes Telefon mit Wählscheibe. Eine Mischung aus natürlichen Baumaterialien, aufgeräumten Oberflächen und industriell anmutenden Akzenten. Zwischendurch bricht der Humor von Lindberg durch: Der Name „Alte Hippe“ etwa ist eine Hommage an Helge Schneiders ersten Kriminalroman.

Ein Zitat daraus, „Zieh dich aus, du alte Hippe“, leuchtet in knallroten Buchstaben von einer der Wände im Verbindungsteil zwischen Saunen und Duschen. Es ist ausgerechnet der Satz, mit dem der fiktive Mörder seine Opfer verhöhnt.

Es ist ein Bruch mit dem Konventionellen. Sachen anders zu denken und dabei auch mal zu provozieren, gehöre dazu. Es sei auch gar nicht sein Anspruch, jedem und jeder gerecht zu werden, räumt Lindberg ein. Ein wenig sei es wie mit Kunst: Was irritiert, öffnet die Augen und den Kopf für Neues.